Es war kaum auszuhalten und ein Arbeiten, ohne Sinclair bei mir zu haben, schien mir beinahe unmöglich.
Es vergingen die schlimmsten zwei Wochen seit vielen, vielen Jahren. Schon das Aufstehen am Morgen bereitete Tom und mir unendlich viel Mühe und am liebsten wären wir gleich ganz liegen geblieben.
Da wir wussten, dass es so auf keinen Fall weitergehen konnte, fasste ich mir ein Herz und rief eines Morgens bei SOS Doggen an und erzählte unsere Geschichte.
Knapp eine Woche später saßen wir bei Frau Klatt und Frau Birk im Wohnzimmer in Korschenbroich. Als wir ihn Live und in Farbe sahen, war es bereits um uns geschehen.
Murphy hieß damals noch Marty. Schüchtern saß er vor uns und beäugte zunächst einmal Silva, die sich unter dem Esstisch verkrochen hatte, weil ihr das Ganze ein wenig suspekt vorkam.
Während der dreistündigen Autofahrt saß Murphy winzig und zusammengeschnürt wie ein kleines Päckchen auf meinem Schoss.
Wir hatten es uns auf dem Rücksitz bequem gemacht und obwohl es längst dunkel war, konnte keiner von uns beiden schlafen.
Ich nicht, weil ich total aufgeregt war und ich ihn nicht aus den Augen lassen wollte.
Und er nicht, weil er bestimmt total Angst davor hatte nicht zu wissen, was auf einmal los ist.
Als er unser Haus betrat, war er vollkommen traumatisiert und orientierte sich an Silva, die ihm mehr oder weniger die kalte Schulter zeigte.
Wir waren sehr erleichtert, als er etwa eine Stunde später seinen ersten Erkundungsgang startete und gleich darauf seine Mahlzeit verschlang, als ob es morgen keine mehr geben würde.
Schon als Päckchen am Morgen aufgewacht war stellten wir mit Freuden fest, dass er sich wesentlich lockerer benahm, als den Abend zuvor. Das war auch gut so, denn den ganzen Tag über läutete es an der Haustür, weil die unsere Nachbarn und die Familie Murphy begrüßen wollten.
Bis zum späten Nachmittag war es wie im Taubenschlag und Päckchen stand im Mittelpunkt des Geschehens.
Ganz geheuer war ihm das nicht und er versteckte sich hinter uns, wenn die für ihn noch fremden Menschen das Haus betraten.
Heute, fünf Wochen danach, findet er es total cool, wenn es an der Haustüre schellt. Zunächst wird Haus, Hof und Herrchen/Frauchen verteidigt, danach wird ausgiebig begrüßt - allerdings nur bei den Menschen, die er bereits kennt. Anderen begegnet er immer noch mit sehr großer Vorsicht und schaut sie sich am liebsten hinter uns versteckt an.